Doch gerade, als ich ihr auf Nyrr helfen wollte, fühlte ich es. Fühlte ich seine Anwesenheit.
Ein Atemzug. Schwer. Warm, dicht an meinem Nacken, meinem Ohr.
Ich wirbelte herum, den Dolch gezogen, mich schützend vor Lyra aufbauend– und da stand er.
Zwischen den Bäumen. Dunkelhaarig, reglos, die Augen auf mich gerichtet.
Ich keuchte, wollte etwas sagen – doch der Ausdruck in seinen Augen schnürte mir die Kehle zu. Ich konnte es kaum beschreiben, was ich darin sah. Es war Schmerz. Echter Schmerz. Als wäre nicht ich verletzt, sondern er.
„Vögelchen“, sagte er leise. „Ich… spürte dich. Alles in mir… schrie. Du warst in Gefahr.“
„War“, sagte ich trocken. Ich war müde. Wütend. Verwirrt. „Ich bin nicht mehr in Gefahr.“
„Was ist passiert?“, seine Augen blitzten, aber nicht vor Zorn. Vor Sorge. Echter Sorge.
Ich schüttelte den Kopf, sah an ihm vorbei. „Etwas, das nicht hätte passieren sollen.“
Lyra fuhr herum. „Mit wem redest du?“
Ich starrte sie an. Dann wieder ihn. Ihre Augen suchten die Stelle, wo er stand – aber sie sah ihn nicht.
Er trat einen Schritt auf mich zu.
„Du weißt es noch nicht“, sagte er, beinahe gebrochen. „Aber es beginnt. Und es tut weh.“
„Was bin ich?“, flüsterte ich.
Sein Blick wanderte zu meinem Mal. Nur für einen Moment. Dann zu meinen Augen.
„Du bist nicht verloren“, sagte er. „Noch nicht.“
Ich wollte etwas sagen, aber Lyra zog an meinem Arm. „Elra, wir müssen los. Wir sind nicht allein hier. Du machst mir Angst.“
Ich nickte, langsam, wie in Trance, wollte mich abwenden, als ich jedoch sah, wie er sich zurückzog, in den Schatten, doch bevor er ganz verschwunden war, sah ich ihn noch einmal an, fing seinen Blick auf.
„Ich brauche keine Rettung“, sagte ich leise. „Nicht von dir. Nicht von jemandem, der mich Vögelchen nennt und dann verschwindet, wenn der Sturm losbricht.“
Er hielt inne. Und zum ersten Mal sah ich, wie ihn das traf, sah wie er seine Kiefermuskeln zuckte, wie er sich anspannte.
Ich löste mich aus dem Blick, wendete mich um und drehte mich um, stieg in den Sattel., spürte die Sicherheit von Varuk unter mir. Der Nebel verschlang ihn. Als wäre er nie da gewesen.
Lyra war bereits auf Nyrr, sah mich wieder fragend an. „Was war das, Elra… was ist mit Dir?“
Ich schüttelte nur den Kopf. „Ich weiß es nicht… es geht mir gut, Lyra.“
Wieder ging mein Blick zu den Schatten, und ich wusste, dass er mich beobachtete, mich nicht aus den Augen ließ. Er konnte mein Zittern spüren, meine Seele, die in Aufruhr war. Er würde mich nicht gehen lassen. Er würde mich nicht los lassen.
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